La Cinquecento – 500 Meilen im Schnelldurchlauf

Von Caorle über Susak bis zu den Tremiti-Inseln und wieder retour: seit 1974 gibt es sie, die “Königin der Hochseeregatten”, wie die Cinquecento oft liebevoll von Italienern genannt wird. Sie ist neben der La Cinquanta (50 Nm), der La Ottanta (80 Nm) und der La Duecento (200 Nm) die längste der Regattareihe, die vom Circolo Nautico Santa Margherita (CNSM) organisiert und von Caorle aus gestartet wird.

Neben einigen Fixstartern variiert die Teilnehmerliste bei diesen Regatten von Jahr zu Jahr – vom Ocean-Racer bis zum Mini 650 ist aber normalerweise alles dabei. Die Events sind (der Teilnehmerzahl nach zu schließen) äußerst beliebt, und nun wissen wir auch warum: eine effiziente, freundliche und äußerst zuvorkommende Organisation des CNSM zu einem wirklich hervorragenden Preis-Leistungs-Verhältnis, normalerweise inklusive gebührendem gesellschaftlichem Rahmen – aber das ist zu COVID-Zeiten nur aus Bildern bekannt. Wie im Bericht von der Ottanta bereits erwähnt, wurde in Caorle seit Anfang April mit herzlichem Bemühen das Regattasegeln ermöglicht. Ausnahmegenehmigungen für vom Italienischen Olympischen Komitee gelistete Regatten samt offiziellem Einladungsschreiben für die Crews, Online-Briefings, tägliches Fiebermessen, überall strenge Auflagen – aber das nimmt man ja gerne in Kauf!

Nach Probegalopps bei der Ottanta und Duecento nimmt die NAMASTE von Klaus Zwirner also nun auch bei der Cinquecento teil, Multihulls werden wie bei den anderen Regatten mit einer Korrektur entsprechend dem MOCRA-Rating gesondert gewertet, Monohulls fahren in mehreren Gruppen nach ORC und IRC.

Bietet die eigentliche Heimat des Schiffs, der Achensee, eine nahegelegene Möglichkeit, vor allem Manöver zu trainieren, will sich das Schiff zwischendurch auch auf größeren Gewässern austoben – letztendlich wird es sogar dazu gezwungen, weil es aus dem Blickwinkel mancher Betrachter einfach viel zu groß für den Achensee ist…

Während die Anzahl an zu segelnden Meilen von Regatta zu Regatta wächst, schrumpft die Crew – diesmal fahren wir zu zweit. Die Regatta war ursprünglich nur Doublehanded („per due“) ausgeschrieben, seit einigen Jahren ist sie aber auch für größere Crews offen. Für die 2-er Crews gibt es aber immer noch eine eigene, prestigeträchtige Wertung. Die Rekordzeit für die 500er per Due liegt bei 63,5 Stunden. Unglaublich – wir rechnen mit doppelt so viel Zeit bis zu unserem Finish und starten erstmal frohen Mutes und recht passabel mit einem lauen Mittagslüftchen in Richtung erster Wendemarke. Bei zunehmendem Wind verteilen sich die Boote recht schnell auf dem nächsten Schlag, auch die stärkere Welle macht einigen Booten zu schaffen. Beim zweiten Einreffen und finsterer Nacht stellen wir uns kurz die Frage: “Wollen wir jetzt wirklich bei gut 25 kn Wind über den Kvarner?” Ein Gedanke muntert uns aber auf: Mr. Hyde, eine 8,10m lange Hyde 27 mit offenem Deck und nur einer winzigen Kajüte, wagt es auch – also los geht’s! Wir heizen durch die Nacht, Wasser platscht dauernd übers Deck während ich mich an die Pinne klammere und immer wieder Salzwasser ausspucke – das ist Urlaub!

Bis Susak surfen wir halbwind die Wellen entlang, dann geht’s ziemlich flott raumschots Richtung Tremiti Inseln, die wir leider nur im Mondlicht bewundern können. Jetzt rückt uns Sayg I, ein Corsair 970 als zweiter österreichischer Trimaran, unaufhaltsam näher – entlang der Kreuz am Weg zurück nach Susak überholt er uns auch noch! Nicht, dass wir beim Vorwindsurf tags zuvor irgendwo wissentlich Zeit liegen gelassen hätten – aber jetzt müssen wir uns eben noch mehr anstrengen! Ausreffen, einreffen, Wellen aussteuern, laufen lassen – die hohe spitze Welle vom Nordwind, die regelmäßig die Schwimmer eintauchen lässt, gibt uns immer wieder Rätsel auf. Wir überlegen, uns nördlich der Kornaten vor der Welle zu verstecken. Die schwache Windprognose für einige Stunden später lässt uns diesen Plan jedoch wieder verwerfen und so hämmern wir weiter  durch die Nacht. Am nächsten Morgen ist der Wind am Rückzug, und der Blick aufs AIS macht mich schlagartig hellwach: Der andere Tri ist hinter uns – die Kreuzplackerei hat sich also gelohnt! Susak scheint zum Greifen nah – doch die erste Flaute der Regatta lässt die kleine Insel wie eine Fata Morgana wirken, der wir kaum näherkommen. Gottseidank hat zunächst die Thermik Erbarmen, ein mäßiger Nord pusht uns leichtfüßig dann weiter über den Kvarner. Gegen Abend erreichen wir Brijuni und wieder verlässt uns der Wind. In der flautigen Nacht wieder ins Fahren zu kommen, dauert gefühlt unendlich lange, gelingt aber irgendwann und so sind wir schon auf dem letzten Schlag Richtung Ziellinie in Caorle – nur das Verkehrstrennungsgebiet verhindert einen direkten Kurs. Da der Wind immer mehr nachlässt werden wir nochmals etwas nervös, aber kurz nach 09 Uhr früh, nach fast vier vollen Tagen dürfen wir jubeln: Caorle hat uns wieder, die letztendlich 560 gesegelten Meilen sind im Nu verflogen.

Das Ergebnis: Platz 8 nach gesegelter Zeit, zweites Schiff im Ziel in der Kategorie „per Due“ und erster Platz in der Wertung der Multis. Gestartet sind 35 Boote, ins Ziel gekommen sind 28, 13 davon als Zweihandcrews. Von den 7 Booten, die aufgeben mussten waren 6 mit Zweier-Crew.

Wir sind jedenfalls begeistert von der intensiven Regatta, freuen uns über das Ergebnis und kommen bestimmt wieder – spätestens im Herbst, wenn die La Cinquanta als Saisonabschluss stattfindet!

Caro, Klaus und die Namaste…ooooohmmmmm!